Die vier Imame in Fiqh
Imam Azam Ebu Hanifa (Rahmetullahi aleyh)
Schemseddîn Sâmi schreibt in seinem Buch Kâmûs-ül-a’lâm :
“Der Name von Imam-i a’zam Ebu Hanîfe war Nu’mân. Der Name seines Vaters war Sâbit, der seines Großvaters Nu’mân. Er ist der Erste Imâm der vier Rechtsschulen der Sunna. Der ‘Imâm’ heißt Rechtsschulgründer. Er war ein Grundpfeiler der Religion des heiligen Propheten Muhammed, Friede sei mit Ihm, Er stammte aus einer angesehenen persischen Familie. Sein Großvater hatte den Islam angenommen. Er wurde in Kufa im Jahre 80 n.Hed. (698) geboren und hatte die Möglichkeit einige der Gefährten des heiligen Propheten wie, Enes bin Mâlik, ’Abdullah bin Ebî Ewfâ, Sehl bin Sa’d Sâ’idî und Ebul Fadl Âmir bin Wesile kennenzulernen. Er lernte die Rechtswissenschaft von Hammâd bin Ebî Sulejmân. Er hatte mit vielen bekannten Persönlichkeiten der Nachfolger der Gefährten des heiligen Propheten und mit Imâm-i Dschafer Sâdiq, Friede sei mit ihm, Umgang. Er lernte viele Hadithen auswendig. Auf Grund seiner Erziehung sollte er ein großer Richter werden, aber er wurde Gründer seiner eigenen Rechtsschule. Er hatte große Denkfähigkeiten. Er erwarb in der Rechtswissenschaft eine unvergleichliche Stufe und sein Name und Ruf wurden auf der ganzen Welt bekannt. Der vierzehnte und zugleich letzte umayyadische Kalif Merwan bin Muhammed war der Enkel Merwan bin Hakem’s, Friede sei mit ihm. Er wurde im Jahre 132 n.Hed. (750) ermordet.
Er herrschte in Ägypten fünf Jahre lang als Kalif. Als Yezîd bin Amr damals Gouverneuer von Irak war, bot er ihm das Richteramt des Kufa-Gerichts an. Da seine Frömmigkeit so ausgezeichnet wie sein Wissen und seine Intelligenz war, hatte er Angst, aus menschlicher Nachsicht, die Rechte der Menschen nicht haargenau beachten zu können. Auf befehl Yezids peitsche man seinen edlen Haupt 110 Mal aus. Sein edler Haupt und sein Gesicht waren angeschwollen. Am nächsten Tag ließ Yezîd den Imâm aus dem Gefängnis holen und bestand wieder darauf, dass der Imâm seinen Vorschlag annimmt. Der Imâm sagte: ‘Lass mich um Rat fragen!’ und er bekam die Erlaubnis. Er ging nach der heiligen Stadt Mekka, wo er fünf oder sechs Jahre lang blieb. Im Jahre 150 n.Hed. (767) steckte man ihn ins Gefängnis, weil er das Angebot zum Richteramt des abbasidischen Kalifen Ebu Dschafer Mensur nicht annahm. Jeden Tag wurde er dort zehnmal mehr ausgepeitscht. Am Tage, als er hundertmal aus gepeitscht wurde, erlang er den Märtyrertod. Ebû Sa’d Muhammed bin Mensûr Hârezmî, einer der ersten Staatsminister des dritten seldschukischen Sultan Melik Schah, errichtete ein wunderbares Mausoleum auf dem Grab des Hz. Ebû Hanîfe Friede sei mit ihm. Später wurde das Grab von den Osmanischen Sultanen mehrere Male restauriert. Sultan Melik Schâh ist der Sohn des berühmten seldschukischen Sultan Alparslan [447-485] n.Hed., Friede sei mit ihm. Ebû Hanîfe, Friede sei mit ihm, war der Erste, der die Rechtswissenschaft in verschiedene Gruppen aufteilte, und er sammelte Kenntnisse die er in verschiedenen Gruppen trennte. Er ist der Verfasser der Bücher Ferâ’iz (Das Erbrecht) und Schurût (Die Bedingungen). Es gibt viele Bücher, die über sein Rechtswissen Auskunft geben und seine außergewöhnliche Fähigkeit zum Kiyas (Analogieschluss), seine tiefgehende Frömmigkeit, seine Milde und seine Rechtschaffenheit zeigen. Er hatte viele Schüler, aus denen einige große Religionsgelehrte wurden. Die Rechtsschule Hanefî verbreitete sich in der Zeit des Osmanischen Reiches und sie war die offizielle Rechtsschule dieses Staates. Heute verrichten mehr als die Hälfte der Muslime und die meisten der Sunniten ihre Gebete nach der Rechtsschule Hanefî.” Die Übersetzung aus dem Buch Kâmûs-ül a’lâm ist hier beendet (Das Wort “heilig” ist im Sinne von “ehrenvoll” zu verstehen)
Ibn Nudschejm Mısrî, Friede sei mit ihm, aus Ägypten der Verfasser des Buches Bahr ur-râik schreibt in seinem anderen Buch Eschbâh (Ähnliche): “Imâm-ı Schâfi’î sagte: ‘Wer Spezialist in der Rechtswissenschaft werden will, soll die Bücher von Ebû Hanîfe lesen.’ ” Abdullah ibn Mubârek, Friede sei mit ihm, sagte: ‘Ich habe kein größeren Spezialist in der Rechtswissenschaft wie Ebû Hanîfe getroffen. Der große Gelehrte Mis’ar fragte und lernte was er nicht wußte von ihm. Von tausend islamischen Gelehrten nahm ich Unterricht. Aber wenn ich Imâm-ı a’sam nicht getroffen hätte, wäre ich im Sumpf der griechischen Philosophie geraten.’ Ebû Yûsuf, einer von den größten Schülern des Imâms Ebu Hanîfes sagte: ‘Ich habe niemand gesehen, der in der Hadithwissenschaft derart weit ausgedehnte Kenntnisse hat wie Ebû Hanîfe. Es gibt keine andere kompetente Person, die die Hadithen interpretieren kann, wie er.’ Der große Religionsgelehrte, Süfyan-ı Sewrî, Friede sei mit ihm, sagte: ‘Wir waren neben Ebû Hanîfe wie Sperlinge neben einem Falken. Ebû Hanîfe ist der Führer der Gelehrten. Alî bin Âsım sagt: ‘Wenn man die Kenntnisse von Ebû Hanîfe mit die der anderen gesamten Kenntnisse vergleicht, so ist die Kenntniss Ebu Hanifes mehr’. Yezîd bin Hârûn sagt: ‘Ich nahm von tausenden von Gelehrten Unterricht. Ich sah niemanden, dessen Verstand und Wera’ (zweifelhafte Angelegenheiten zu vermeiden) so viel ist, so wie der Verstand und Wera’ von Imam Ebû Hanîfe’. Muhammed ibn Yûsuf Schafi’î, einer der Gelehrten aus Damaskus preist in seinem Buch “Ukûd-ül dschemân fhi-menâkıb-in-Nu’man” (Die Perlen der Geschichten von Numan) Imam-ı a’sam Ebû Hanîfe, schätzt ihn hoch und erzählt seine Vorzüglichkeit lang und sagte für ihn; ‘Er ist der Führer der Religigionsgelehrten: Imâm-ı a’sam Ebû Hanîfe sagte: ‘Die heiligen Hadithe des heiligen Propheten ist die Krone auf unserem Kopf, und der Glanz unserer Augen. Wir suchen, wählen die Worte der Gefährten des heiligen Propheten und dann folgen wir diesen. Jedoch sind die Worte der Nachfolger der Gefährten des heiligen Propheten wie unsere.’ ”
Ibn Hadscher-i Mekki war einer der schafiitischen Gelehrten. Dennoch schreibt er in seinem Buch Kala-id (Halsband): ‘Der große Hadithgelehrter Amesch stellte Imam-ı a’sam viele Fragen. Er beantwortete jede Frage mit den Hadithen. Als Amesch den großen Ebû Hanîfe und sein reiches Wissen über Hadithen bemerkte, sagte er ‘O Rechtsgelehrter! Ihr seid wie ein Arzt und wir Hadîth-Gelehrten sind wie Apotheker. Die Hadithen und ihre Überlieferer berichten wir, die Bedeutung und den Sinn zu diesen, wird von euch verstanden.’ Im Buch ’Ukûd-ul-dschewâhir-ul-munîfe (Hochwertige Juwelen) stehen folgendes geschrieben: ‘Ubejdullâh ibn ’Amr war beim großen Hadithgelehrten ’Amesch. Einer stellte eine Frage. Während ’Amesch darüber überlegte, kam Imâm-ı a’sam. Amesch stellte dem absoluten Religionsgelehrten dieselbe Frage und verlangte von ihm eine Antwort. Imam Ebû Hanîfe gab sofort eine ausführliche Antwort. Amesch, der für diese Anwort in Bewunderung versetzt war, sagte so: ‘O Religionsführer! Aus welcher Hadîth hast du diese Antwort abgeleitet?’ Der Imâm sprach eine Hadith aus und sagte, dass er sie von dieser Hadith herleitete, die er selbst von Amesch gehört hatte.’ Imâm-ı Buchârî, Friede sei mit ihm, hatte dreihunderttausend heiligen Hadithe auswendig gelernt. Nur zwölftausend von diesen schrieb er nieder. Denn er fürchtete sich sehr vor dieser heiligen Hadith, die besagt: “Demjenigen, der das, was von mir nicht gesagte wurde, als ‘Hadith’ meldet, wird in der Hölle eine sehr bittere Strafe auferlegt.” Weil der große Rechtsschulengründer in Frömmigkeit (Takwa) und sich im Fernhalten von Zweifelhaftem (Wera) eine vorzügliche Stufe hatte, stellte er sich für die Überlieferung der Hadith sehr schwere Bedingungen auf. Er überlieferte nur die Hadithe, die diese Bedingungen gemäß fielen. Weil manche Hadithgelehrten Toleranz haben und ihre Bedingungen nicht schwierig sind, überlieferten sie viele Hadîthen. Kein Hadithgelehrter unterschätzte die anderen Gelehrten wegen den Unterschieden zwischen den Bedingungen. Wenn es so nicht wäre, hätte Imam-ı Muslim, Imam-ı Buchari deswegen kränken können. aus Buch Sejf-ül-mukallidîn
Die islamischen Gelehrten haben übereinstimmend berichtet, dass Imam-i Azam Abu Hanifa manche von der Gefährten des Propheten gesehen und Hadithe von ihnen mitgeteilt hat. Deswegen war er einer der Nachfolger der Gefährten. Zum Beispiel: Er hörte von einem der Gefährten des Propheten namens Abdullah bin Efwa die Hadith: “Wer gottgefällig eine Moschee erbaut, bekommt einen Schloss im Paradies.” Imam Dschelal-ad-din-ı Suyuti, einer der schafiitischen Gelehrten berichtet in seinem Buch Tebyid-us-Sahife , dass Imam-ı Abdulkerim ein schafiitischer Gelehrten, ein spezielles Buch geschrieben hat, welches eine Liste der Gefährten des Propheten, die von Imam-ı Azam gesehen wurden, ausführlich erklärt. Im Buch Durr ul-Muchtar steht, dass Imam-ı Azam sieben von den heiligen Gefährten gesehen hat. Unter den Vier der Rechtsschulengründer der rechten Rechtsschulen erreichte er alleine die Ehre, den Nachfolgern der heiligen Gefährten anzugehören. Er war also Tabiin. Die anderen drei Imame waren Taba-i tabiin , die Nachfolger der Tabiin.
Folgende Viten aus :El-minhat-ül-wehbiyye fi redd-il-wehhabiyye und Hidayet-ül-muwaffikin und Sebil-ün necat:
Imam Malik bin Enes (Rahmetullahi aleyh)
Geboren 95 (715 n.Chr.) in Medina und 179 (795n.Chr.) dort gestorben. ” Solange nicht 70 Imame Zeugnis abgelegt haben habe ich kein Fetwa gegeben. Von meinen Lehrern waren sehr wenige, die von mir nicht nach Fetwa fragten” sagte er. Imam Yafii sagt hierzu : “Dieses Ausspruch des Imams war nicht wegen Selbstlob sondern für Kundgabe der Ihsans (Gnaden, Geschenke) Allahs, des Erhabenen. Zerkani schreibt in Erläuterung des Muwatta (des Imam Malik) “Imam Malik ist ein berühmter Mezheb-Imam (Imam einer Rechtschule). Einer der ganz Grossen. Sein Verstand vollkommen sein Fadl offenbar. Erbe der ehrenvollen Hadithe des Resulullah (Gesandter Allahs). Er hat den Scheria (Religion) Allahs Seinen Dienern verbreitet. Er hatte Umgang mit 400 Gelehrten und zog wissenschaftliches Nutzen daraus. Er schrieb 100000 Hadithe nieder. Unterricht gab er schon mit 17 Jahren…Imam Schafii pflegte zu sagen “Malik ist wie ein Stern wo man Hadithe lehrt. In Auswendiglernen der Wissenschaften, in Verständnis der Wissenschaften und Aufbewahrung dessen war keiner wie Malik. Zwischen Allah und mir ist Malik Huccet (Beweis). Gäbe es Malik und Lays in Medina nicht wäre die Gelehrsamkeit in Hedschaz (Land wo Madina und Mekka sich befindet) verlorengegangen. Ibn-i Wehb berichtet : Abdullah fragte sein Vater Ahmad bin Hanbel “Wer ist der grösste Schüler unter den Schülern von Zehri ?” “Malik ist in jeder Wissenschaft überlegen ” war die Antwort…
Sufyan bin Uyeyne sagt : Der Hadith “Die Menschen kommen ins Bedrängnis und werden keinen grösseren Gelehrten finden wie der in Medina” berichtet über Imam Malik.
Imam Schafii (Rahmetullahi aleyh)
Muhammed bin Idris bin Abbas bin Osman bin Schafii. Sein achter Grossvater war im Bedr-krieg. 150 (767 n.Chr.) in Gazza geboren und 204 (820 n.Chr.) in Ägypten gestorben. Er war der grösste Imam in Ilim , Amal ,Zuhd , Marifet, Zeka, Gedächtnis und Abstammung. Sein Mezheb verbreitete sich überall. Haremeyn (Mekka-Medina) und Palestina wurden schafii. Eine Zeitlang blieb er bei Imam Malik. Er lernte die Muwatta auswendig. Das Hadith :” Der Gelehrte aus Kuraisch erfüllt die Welt mit Wissenschaft (Ilim).” traf auf Imam Schafii zu.
Imam Ahmed bin Hanbel Scheybani Merrzi (Rahmetullahi aleyh)
geboren 164 (780n.Chr.) in Bagdad und gestorben 855n.Chr. ebenda. Imam in Fiqh und Hadith. In Einzelheiten des Sunnah und deren Wirklichkeiten war ihm erschlossen. Berühmt in Zuhd und Vera (Einhalten der Gebote und Sichfernhalten vom verbotenem und Zweifelhaftem). Um Hadithe zu sammeln ging er nach Kufa, Basra, Mekka, Medina, Yemen, Damaskus,und Elcezire. Er lernte Fiqh bei Imam Schafii und er wiederum nahm Hadithe von ihm. Ibrahim Harbi sagt :” ich habe Ahmad bin Hanbel gesehn. Allah ,der Erhabene, hat ihn alle Wissenschaften gegeben. Kuteybe bin said sagt :” Wäre Imam Ahmed Zeitgenosse von Malik, Sevri, Ewzai, und Leys bin Sad wäre er ihnen überlegen gewesen.” Er lernte 1 Million Hadithe auswendig. bei seiner Beerdigung waren 800000 Männer und 60000 Frauen anwesend. An jenem Tag kamen 20000 Juden und Christen zum Islam.
Das Leben der vier grossen Imame
Imâm Abû Hanîfa
Sein vollständiger Name lautet Abû Hanîfa an-Nu‘mân ibn Thabit, genannt al-Imâm al-A‘zam (der größte Imâm). Imâm Abû Hanîfa wurde im Jahre 80 nach der Hijra (689 n. Chr) in der Stadt Kufa im Irak geboren. Seine Eltern waren persischer Abstammung. Er ist der erste der Imâme der vier Rechtsschulen und der einzige unter ihnen, der zu den tabi’în, den „Nachfolgern” gezählt wird, weil er Prophetengefährten persönlich begegnet ist, nämlich Anas ibn Mâlik, ‘Abd Allah ibn Abî Awfa, Sahl ibn Sa’d as-Sa’îdî, Abû at-Tufayl und ‘Amir ibn Wathîla – möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein!
Abû Hanîfa war es, der als erster unter den Gelehrten des Islam das göttliche Gesetz (scharî’a) und die Rechtswissenschaft (fiqh) analysierte, klassifizierte und systematisierte und in verschiedene Bereiche wie Tahâra (rituelle Reinheit), Salât (Gebet), Zakât (Pflichtabgabe), Hajj (Pilgerfahrt), fara’id (Erbrecht) usw. einteilte, eine Ordnung, die fast alle späteren Gelehrten und Imâme wie Mâlik, Schâfi’î, Ibn Hanbal, al-Bukhârî, Muslim und viele andere nach ihnen übernahmen. Imâm Schâfi’î sagte deshalb: „In der Rechtswissenschaft sind alle Gelehrten Kinder Abû Hanîfas.”
Abû Hanîfa war auch der erste, der die Kriterien und Voraussetzungen für Analogie-Schlüsse (qiyâs) in Fällen in denen keine eindeutige Entscheidungsgrundlage zu einer Frage im Qur’ân oder der propheteischen Tradition (sunna) vorlag definierte. Er war ebenso bekannt für seine große Exaktheit in allen Glaubensdingen wie für seine Frömmigkeit, Freigiebigkeit und Gottesfurcht. So wird berichtet, daß er 40 Jahre lang das Morgengebet mit der rituellen Waschung des Nachtgebetes verrichtete, d.h. die ganze Nacht mit Gebet, Rezitation und Gottesgedenken verbrachte um anschließend den Tag über zu lehren und Fragen zu beantworten, alles nur unterbrochen durch einen kurzen Mittagsschlaf nach dem Zuhr-Gebet. Seinen Lebensunterhalt, den er durch Handel bestritt, teilte er großzügig mit seinen Schülern und den Bedürftigen. So wird beispielsweise berichtet, daß er jeden Freitag 20 Goldmünzen im Namen seiner verstorbenen Eltern unter den Armen verteilte. Als ihm vom damaligen Herrscher der Posten des obersten Richters angetragen wurde, weigerte er sich und ließ sich auch durch Schläge und Haft nicht dazu bringen, dieses Amt anzunehmen.
Abû Hanîfa starb im Jahr 150 n.d. Hijra im Alter von 70 Jahren in Baghdad. An seinem Begräbnis nahm eine Menge von 50.000 Menschen teil. Er liegt dort in einer prächtigen, nach ihm benannten Moschee begraben. Durch die Geschichte der islamischen Dynastien einschließlich der Abbasiden bis zu den Osmanen war der von ihm begründete Madhhab fast überall die offizielle Rechtsgrundlage staatlicher Gerichtsbarkeit und auch heutzutage folgen mehr als die Hälfte aller Muslime seiner Rechtsschule. Möge Allah mit ihm zufrieden sein und ihm den gebührenden Anteil am Lohn all derer gewähren, die auf seinem Wege Allah und Seinem Propheten – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – folgen.
Imâm Mâlik
Sein vollständiger Name ist Mâlik ibn Anas ibn Abî ‘Âmir, Abû ‘Abd Allah al-Asba’î al-Himyarî al-Madanî, genannt Imâm al-Madîna oder ‘Âlim al-Madîna (Imam oder Gelehrter von Medina). Imâm Mâlik wurde im Jahr 93 n. d. Hijra (712 n. Chr.) in Medina geboren. Er ist der zweite der Imâme der vier Rechtsschulen und der erste, der eine nach Themen geordnete Hadîth-Sammlung verfasste, der er, nachdem er sie 70 der Gelehrten von Medina vorgelegt und sie alle ihren Inhalt übereinstimmend als richtig bestätigt hatten, den Namen al-Muwatta, „das vielfach Bestätigte” gab. Imâm Schafi’î pries al-Muwatta als „das zuverlässigste Buch nach dem Qur’ân”. Imâm Mâlik war bekannt für seine Aufrichtigkeit, Frömmigkeit und Gradlinigkeit sowie für sein umfassendes Wissen bezüglich des göttlichen Gesetzes, der Rechtswissenschaften und seine Authorität auf dem Gebiet der Hadîthe. Seine Großzügigkeit war ebenso legendär wie seine immense Liebe zum Gesandten Allahs – Friede und Segen seien auf ihm. Er bestieg niemals ein Reittier innerhalb der Stadtgrenze von Medina aus Respekt vor dem Propheten – auf dem der Friede sei und der Segen Allahs - , der dort gewandelt und später begraben worden war. Wenn Leute zu ihm kamen, um nach Hadîthen zu fragen, nahm er die rituelle Waschung vor, zog seine besten Kleider an, parfümierte sich und ließ Räucherwerk verbrennen bevor er daran ging die Hadîthe wiederzugeben. Seine Gewissenhaftigkeit und Bescheidenheit wird in folgender Begenheit deutlich: Einer seiner Schüler berichtet: „Ich hörte einmal, wie ihm 48 Fragen gestellt wurden, auf 32 davon antwortete er mit den Worten: ‚Ich weiß es nicht.’” Seine Unbeugsamkeit und Furchtlosigkeit vor den Herrschern dieser Welt zeigt ein anderer Bericht: Der Kalif al-Mansur untersagte ihm, ein Hadîth mit dem Wortlaut: „Die unter Zwang ausgesprochene Scheidung ist rechtsunwirksam” zu überliefern. Als dann ein Spion zu ihm kam und nach eben dieser Angelegenheit fragte, antwortete er mit genau diesem Hadîth, woraufhin ihn der Kalif verhaften und schlagen ließ, bis seine Schulter ausgekugelt war und er das Bewußtsein verlor. Als er wieder zu sich kam, sagte er: „Ich vergebe ihm (al-Mansur), daß er mich hat schlagen lassen!” Als man ihn später fragte warum, antwortete er: „Ich fürchtete, dem Propheten – Allah segne ihn uns schenke ihm Frieden – zu begegnen, nachdem ich zur Ursache für die Verdammnis eines seiner Angehörigen geworden war.” Nach seiner Bestrafung durch Schläge wurde ihm der Bart abrasiert und er wurde auf ein Kamel gesetzt und durch die Stadt geführt und ihm wurde befohlen sich laut vor allen Leuten schuldig zu bekennen, worauf er rief: „Wer mich kennt, der kennt mich, wer mich nicht kennt: mein Name ist Mâlik ibn Anas und ich sage: „Die unter Zwang ausgesprochene Scheidung ist null und nichtig!” Imâm Mâlik hinterließ eine Vielzahl von wichtigen Schriften sowie eine ganze Reihe hervorragender Gelehrter. Allein für sein al-Muwatta hatte er 69 Überlieferern die Lehrerlaubnis (ijâza) erteilt, als er im Jahre 179 n.d. Hijra in Medina starb. Möge Allah mit ihm zufrieden sein! Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Jannat al-Baqî‘ nahe der Moschee des Propheten – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden.
Imâm Schafi´î
Sein Name ist Muhammad Abû Abd Allah ibn Idrîs ibn al-´Abbâs al-Haschimî asch-Schafi´î, verwandt mit dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – durch seine Abstammung vom Zweig der Banî Haschim vom Stamme der Quraisch. Er wurde im Jahre 150 nach der Hijra (767 n.Chr.) in Palästina in der Stadt Gaza geboren und kam nach dem Tode seines Vaters im Alter von zwei Jahren nach Mekka, wo er aufwuchs und zuerst den Qur’ân und anschließend Imâm Mâlik’s al-Muwatta memorisierte. Bereits im Alter von fünfzehn Jahren erhielt er von seinem Scheikh, dem Muftî von Mekka Muslim ibn Khâlid az-Zinjî, die Erlaubnis, Rechtsgutachten (fatwa) zu geben. Er reiste nach Medina und studierte dort bei Imâm Mâlik, der von seiner Auffassungsgabe und seinem Gedächtnisbeeindruckt war und den er Zeit seines Lebens mit den Worten: „dies ist, was der Meister gesagt hat (hâdha qaul al-ustadh)” zitierte. Später reiste er nach Baghdad, um dort bei Muhammad ibn Hasan asch-Schaibânî, einem der bekanntesten Schüler und Nachfolger Imâm AbûHanîfa’s zu lernen.
Nachdem er so seine Kenntnisse der Rechtswissenschaften von den größten Autoritäten seiner Zeit erworben hatte, arbeitete er als erster die Grundprinzipien dieser Wissenschaft (usûl al-fiqh) heraus und veröffentlichte sein berühmtes Werk Ar-Risâla, welches er vierhundertmal durchlas, um Fehler auszuschließen. In Baghdad entwickelte er seine als ‚frühe Rechtsschule’ (madhhab al-qadîm) bekannten Positionen.
Sein bedeutendster Schüler zu dieser Zeit war Ahmad Ibn Hanbal, der, als er einmal kritisiert wurde, weil er den Vorträgen des Hadîth-Meisters Sufyân ibn ´Uyayna fernblieb um an Schafi´î’s Vorlesungen teilzunehmen, sagte: „Sei nur still! Wenn du ein Hadîth mit einer kurzen Überlieferungskette verpaßt, kannst du es woanders mit einer längeren finden und du wirst keinen Schaden nehmen. Wenn Du aber die Erklärungen dieses Mannes (Schafi´î) verpaßt, kannst du sie, so fürchte ich, nirgendwo anders finden!” Als unter der Herrschaft einiger Abbassiden-Khalifen die Lehre der Mutazila zur offiziellen Glaubenslehre wurde und die sunnitischen Imâme um ihr Leben fürchten mußten, beschlossen beide gemeinsam, daß es besser sei, wenn einer von ihnen ins Exil ginge, um das Wissen, dessen wichtigste Träger sie waren, vor der Vernichtung zu bewahren. So ging Imâm Schafi´î nach Kairo während Imâm Ahmad im Irak blieb. In Kairo entwickelte Imâm Schafi´î die später als ‚neue Rechtsschule’ (madhhab al-jadîd) bezeichnete Positionen, die er in seinem monumentalen Werk al-Umm veröffentlichte. Imâm Schafi´î zeichnete sich neben seiner tiefen Frömmigkeit durch seine unvergleichlichen Kenntnisse des Qur’ân und seiner Auslegung, der Hadîthe, der arabischen Sprache, ihrer Grammatik und ihrer Dichtkunst sowie beispiellosen Scharfsinn und kompromisslose Unbestechlichkeit in Glaubensdingen aus.
Yunus Ibn Abî Ya’la sagte über ihn: „Wenn er den Qur’ân auslegte, kam es einem vor, als sei er bei dessen Offenbarung dabei gewesen.” Und Ahmand ibn Hanbal sagte: „ Keiner der Gelehrten der Hadîth-Wissenschaften hat ein Tintenfaß odereine Schreibfeder angefasst, ohne dabei gewaltig inasch-Schafi´î’s Schuld zu stehen.” Hasan ibn Muhammad az-Za´franî bemerkte: „ Die Gelehrten der Hadîth-Wissenschaften waren im Schlaf versunken, und erwachten, als asch-Schafi´î sie aufweckte.” Imâm Schafi´î’s Schüler und Protokollar seiner Vorlesungen Rabi´ibn Sulaimân berichtete: „Ich habe siebenhundert Reitkamele an Schafi´î’s Pforte angebunden gesehen, die denen gehörten, die kamen um zu hören, wie er seine Schriften auslegte.”
Obwohl er insgesamt über hundert Werke verfasste, und die Wissensdurstigen zu Hunderten in seine Vorträge strömten, hielt er sich nie für mehr als einen Überbringer der ihm anvertrauten Gaben und hoffte darauf„daß die Menschen dieses Wissen erlernen, ohne mir davon auch nur einen einzigen Buchstaben zuzuschreiben!” Sein Lebensstil war von Einfachheit und Bescheidenheit geprägt. Sein Ring trug die Inschrift:„Allah ist Muhammad ibn Idrîs als Sachwalter genüge”. Gefragt, warum er beim Gehen einen Stock bei sich trage, obwohl er weder alt noch gebrechlich sei, sagte er: „Ich tue es, um mich daran zu erinnern, daß ich in dieser Welt nur ein Reisender bin.” Er hinterließ eine große Zahl von Schülern, die die Imâme ihrer Zeit waren, unter anderen Imâm Ahmad ibn Hanbal, Daud az-Zâhirî, al-Karabisî, az-Za´franî, Rabi´ ibn Sulaimân und al-Muzanî. Imâm Schafi´î’ verließ diese Welt im Alter von 53 Jahren 204 nach der Hijra (820 n.Chr.) und liegt in Kairo begraben
– möge Allah mit ihm zufrieden sein und ihm vielfachen Lohngewähren für seine Dienste für die Gemeinde Muhammads –Allah segne ihn und schenke ihm Frieden!
Quellen: Appendix des Buches „The Reliance of the Traveller” von Ahmad ibn Naqib al-Misrî, englische Übersetzung von Noah Ha Mim Keller und „Imam Shafi`i” von Dr.G.F. Haddad. Zusammengestellt und ins Deutsche übertragen von ´Abd al-Hafidh Wentzel
Imâm Ahmad ibn Hanbal
Sein Name lautet Ahmad ibn Muhammad ibn Hanbal Abû ´Abd Allah asch-Schaybânî. Er wurde im Jahr 164 nach der Hijra (780 n. Chr.) in Baghdad geboren, wo er als Waise aufwuchs. Er studierte Hadith bei Huschaym, Ibrahim ibn Sa´d, Sufyan ibn ´Uyayna, ´Abbad ibn ´Abbad, Yahya ibn Abi Za’ida und vielen anderen, sein sicherlich wichtigster Lehrer war jedoch Imam Schafi´î, der, als er Baghdad verließ über ihn sagte: „Ich habe niemanden (in Baghdad) zurückgelassen, der gottesfürchtiger, gelehrter im göttlichen Gesetz, asketischer, frömmer oder gebildeter ist als Ibn Hanbal.” Sechzehn Jahre verbrachte er auf Reisen durch die gesamte islamische Welt um Hadithe zu sammeln. Sein Sohn, ´Abd Allah ibn Ahmad sagte: “Ich hörte Abu Zur´a [al-Razi] sagen: „Dein Vater wußte eine Million Hadithe auswendig, die ich mit ihm nach Themen geordnet durchging.” Dreißigtausend dieser Hadithe zeichnete Imam Ahmad in seinem Buch al-Musnad auf. Die großen Meister der Hadith-Wissenschaften wie Imam Bukharî, Imam Muslim, Imam Abû Daûd und viele andere danach überlieferten von ihm. Solange asch-Schafi´î in Baghdad anwesend war, weigerte sich Imam Ahmad, aus Respekt vor seinem Lehrer, Rechtsgutachten (fatwa) zu geben. Abû Daûd sagte über ihn: „Seine Versammlungen waren Versammlungen des Jenseits, nie wurden darin die Dinge dieser Welt erwähnt. Niemals habe ich ihn über weltliche Angelegenheiten reden hören.” Er rezitierte täglich den ganzen Qur’ân und verbrachte jede Nacht im Gebet. Als Imam Schafi´î Baghdad verließ, verteidigte er die Positionen der Ahl Sunna gegen die Sekte der Mu`tazila, deren spekulative Theologie unter dem abbassidischen Khalifen al-Mu`tasim zur offiziellen Lehre wurden. Unter dessen Inquisition wurde Imam Ahmad, weil er sich weigerte ihre Behauptung, der Qur’ân, das Wort Allahs, sei erschaffen, zu bestätigen, mißhandelt und für 28 Monate eingekerkert, bis Allah ihn schließlich errettete. ´Ali ibn al-Madinî sagte: „Wahrlich, Allah hat Seine Religion in den Tagen des Abfalls vom Glauben (ar-Ridda) durch Abu Bakr as-Siddiq gestärkt und Er hat sie in den Tagen der Inquisition (al-Mihna) durch Ahmad ibn Hanbal gestärkt.” Sein Wissen war so groß, daß Ibrahim al-Harbi sagte: „Ich hielt Ahmad für jemanden für den Allah das gesamte Wissen der Ersten und der Letzten zusammengebracht hatte”. Die auf ihn zurückgehende Rechtsschule (madh-hab) zeichnet sich durch eine starke Betonung der eindeutigen Quelltexte in Qur’ân und Hadith sowie der Übereinkunft der Rechtsgelehrten (ijma´) und relativ geringere Bedeutung von Analogieschlüssen (qiyâs) aus. Ahmad ibn Hanbal starb im Jahre 241 nach der Hijra am Freitag dem 12. Rabi´al-Awwal im Alter von 77 Jahren. Sein Leichenzug bestand aus einer gewaltigen Menschenmenge von mehr als 800.000 Menschen, die dem letzten der Imame der vier sunnitischen Rechtsschule auf dem Weg zu seiner Ruhestätte ihren Respekt erwiesen. Möge Allah mit ihm zufrieden sein und sein Wissen bis zum Jüngsten Tage von Nutzen sein lassen für die Gemeinde des Siegels der Propheten – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden!
Quellen: Appendix des Buches „The Reliance of the Traveller” von Ahmad ibn Naqib al-Misrî, englische Übersetzung von Noah Ha Mim Keller und „Imam Ahmad ibn Hanbal” von Dr.G.F. Haddad,
zusammengestellt und ins Deutsche übertragen von ´Abd al-Hafidh Wentzel
(aus www.naqschbandi.de )

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